Gedenkstätte Zwangsarbeiterlager Oer-Erkenschwick

Gedenkstaette

Vorbemerkung

Auf der 1904 in Betrieb genommenen Schachtanlage Ewald Fortsetzung der damaligen Landgemeinde Erkenschwick wurde 1931-1938 die Kohleförderung im Zuge einer schweren Wirtschaftskrise eingestellt, was die rund 16000 Einwohner der Gemeinde zu 80% zu sog. Wohlfahrtsempfängern machte. Bereits 1933 stellten die Nationalsozialisten die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Erst im Zuge ihrer Kriegsvorbereitungen wurde jedoch die Kohleförderung wieder voll aufgenommen. Noch 1944 arbeiteten etwa 3200 Bergleute „vor Kohle". Zahlenmäßig nicht unerheblich dürfte daran der Anteil osteuropäischer Zwangsarbeiter auf dieser Schachtanlage gewesen sein (insgesamt waren es etwa 100000 im gesamten Ruhrbergbau). Doch für diese Zeit des Nationalsozialismus schweigen die Quellen und Stadtchroniken bislang oft.

Geschichtsprojekt der Stadt Oer-Erkenschwick in Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen der Stadt

Der Stadtrat von Oer-Erkenschwick fasste am 2017 den Beschluss, das bisher wenig beachtete Kapitel der Zwangsarbeiterzeit der örtlichen Kommune aufzuarbeiten. Dazu wurden das Willy-BrandtGymnasium (WBG) und die Christoph-Stöver-Realschule (CSR) um ihre Beteiligung gebeten. Die beiden Schulen erklärten sich dazu bereit und brachten zum genannten Thema ein kooperatives Geschichtsprojekt auf den Weg.

Dies wurde möglich durch die maßgebliche Mitarbeit des Stadtarchivs, das sowohl Akten (z.B. Protokolle von Zwangsarbeitern im Rahmen von Befragungen der alliierten Kontrollgremien) als auch Pläne, Fotos u.a. zur Verfügung stellte und diese mit Schülerinnen, Schülern und betreuenden Geschichtslehrkräften auswertete. Ebenso wurden die historischen Orte aufgesucht und Zeitzeugen befragt. Erste Ergebnisse sind bereits der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden.

Alle Beteiligten waren sich aber einig, dass die heimatkundlichen Forschungsergebnisse nachhaltig verortet werden sollten. Hieraus entstand die Idee einer interaktiven Gedenkstätte am Platz eines Zwangsarbeiterlagers. Diese soll der Bevölkerung die damaligen Geschehnisse bewusst machen, aber auch Schülerinnen und Schülern einen Ort zur Verfügung stellen, der heimatstadtbezogene Vergangenheit greifbar werden lässt.

Der Heimatbegriff gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Gleichwohl spielt Heimatkunde in den Schulen oft nur eine Nebenrolle. Eine Ursache könnte auch darin benannt werden, das bisher oft Orte fehlen, an denen auch dunkle Kapitel der Stadtgeschichte anschaulich lebendig werden und dadurch nachfolgende Generationen zur Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte direkt aufgerufen werden. Das dazu zu erstellende Objekt bietet Schülerinnen und Schülern auch nachfolgender Jahrgänge durch moderne Kommunikationstechniken die Möglichkeit, ihre eigenen weiteren Forschungsergebnisse fortlaufend zu dokumentieren und diese am Erinnerungsort bereitzustellen.

Beschreibung der Zwangsarbeitergedenkstätte

Auf dem heutigen Stadtgebiet gab es zwischen 1942 und 1945 zwei Zwangsarbeiterlager, in denen meist russische Kriegsgefangene untergebracht waren. Aufgrund alter Fotografien und Lagepläne konnten sowohl das Aussehen der Baracken des damaligen sog. „Lagers Stalingrad" als auch Ort und Umfang der beiden Lager ermittelt werden. Der Standort an der heutigen Bachstraße wurde aufgrund der Quellenlage und der öffentlichen Zugänglichkeit und Präsenz ausgewählt. Dort wurden die sechs Lagerbaracken maßstäblich verkleinert und lagegetreu als Modelle (Betonguss) erstellt. Auf den leicht abgeschrägten Dächern der Modelle wurde von Schülerinnen und Schülern erarbeitete Informationstafeln aufgebracht.

Weitere Information und Bildmaterial finden Sie in Kürze an dieser Stelle.