Matthias Freitag (li.) und Bürgermeister Carsten Wewers.

Der Neptun-Vorsitzende verweist in diesem Zusammenhang auf die zusätzlichen Belastungen für Übungsleiter, Eltern und Kinder durch die Fahrten in die Nachbarstädte. „Es wird immer schwieriger, Übungsleiter und Fahrer oder Begleitpersonen zu finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren“, sagt Freitag. 

Dass die Gewinnung von ehrenamtlichen Helfern kein alleiniges Problem des SV Neptun ist, bestätigt Bürgermeister Carsten Wewers uneingeschränkt. Der Verwaltungschef ist sich auch der Tatsache bewusst, dass das Ausweichen des Schwimmvereines auf die Sportanlagen der Nachbarstädte eine zusätzliche Belastung darstellt und nur eine Übergangslösung sein kann. „Aber“, so der Bürgermeister, „wer zukünftig eine neue und moderne Schwimmanlage nutzen will, der muss in Kauf nehmen, dass die Nutzung während einer Bauphase entfällt.“ Da waren und sind sich Matthias Freitag und Carsten Wewers einig. Beide loben nochmals die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verein und Verwaltung bei der Suche und Buchung von Übungseinheiten in den Nachbarstädten.

Aktuell stehen 54,5 Bahnstunden in Datteln, 12 Bahnstunden in Marl und 5 Bahnstunden in Recklinghausen auf dem Programm. Hierfür trägt alleine die Stadt die Kosten in Höhe von 182.000 €. Umgerechnet sind das pro Mitglied (ca. 830) rund 220 € pro Jahr. „Kein Pappenstiel“, wie der Bürgermeister feststellt. „Wenn wir allen in Oer-Erkenschwick organisierten Vereinsmitgliedern diese Unterstützung angedeihen lassen wollten, würde das den Steuerzahler fast 1,5 Mio. € kosten“, erläutert Wewers weiter. Dies erkennt auch Matthias Freitag an. Carsten Wewers betont, dass dies gut investiertes Geld ist. „Die Vereine in unserer Stadt und vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer leisten einen ganz wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der SV Neptun engagiert sich darüber hinaus im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge und sorgt u.a. dafür, dass Kinder in unserer Stadt Schwimmen lernen.“ Carsten Wewers weiter: „Es ist also unsere gemeinsame Aufgabe und unser erklärtes Ziel, dass `Keiner untergeht`, weder der SV Neptun noch die Kinder und Jugendlichen.“

Frei nach dem Motto „Kinder brauchen Wasser“ entsteht in Oer-Erkenschwick im Gegensatz zu vielen anderen Städten und Gemeinden in Deutschland, die sogar Bäder schließen, eine rundum modernisierte und sogar erweiterte Freizeitanlage mit zwei 25-m-Sportbecken und zwei Lehrschwimmbecken im Indoor-Bereich sowie einer nagelneuen Freibadanlage mit Sport- und Freizeitbereichen und einem Spraypark für die Kinder. „Wer hier noch nach einer Perspektive fragt, hat die Planung vielleicht nicht verstanden“, betont der Bürgermeister.

Die beiden Chefs sparen in ihrer Zusammenkunft auch die Themen „mangelnde Kommunikation“ und „fehlenden Baufortschritt“ nicht aus. Und ja, beide sind der Meinung, dass in Zukunft noch mehr als jetzt schon miteinander gesprochen werden muss. 

Dies betrifft nicht nur den Umbau und die Modernisierung des Maritimo, sondern auch die Hotelansiedlung und die mögliche Umsiedlung des SV Neptun in neue Vereinsräume. Matthias Freitag und Carsten Wewers sichern sich gegenseitig einen transparenten Umgang mit den notwendigen Informationen zu, erklären aber auch, dass schon in der Vergangenheit stets der „kurze Draht“ untereinander funktioniert hat. Darüber hinaus soll der Vorsitzende des Schwimmvereins künftig monatlich in einem persönlichen Gespräch seitens der Verwaltung über den Sachstand zum Maritimo informiert werden.

Außerdem ist der SV Neptun schon während einer Mitgliederversammlung von Bürgermeister Carsten Wewers und seinem Stellvertreter Heinz Schnettger persönlich über eine mehrjährige (!) Schließungsphase informiert worden. Die Stilllegung des Sportbeckens war zum damaligen Zeitpunkt zudem Voraussetzung für die Erstellung von erforderlichen Gutachten, deren Ergebnisermittlung sich danach über mehrere Monate hingezogen hat. 

Bürgermeister Wewers geht nochmals auf die Umstände der Umplanung zum Ende des letzten Jahres ein. „Wir alle wollten und wollen ein Freibad mit hoher Aufenthaltsqualität für die Oer-Erkenschwicker Bürgerinnen und Bürger,“ sagt Bürgermeister Wewers. „Leider mussten wir erkennen, dass uns die Kosten hierfür insbesondere im Hinblick auf das Bodenmanagement weggelaufen sind. Wir wollten aber nachvollziehbar nicht am politisch beschlossenen Konzept eines heimischen Freizeitangebotes sparen, sondern die zusätzlichen Baukosten in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen wirtschaftlichen Erwägungen und Daseinsvorsorge verteilen.“ 

Die Konsequenz war eine umfassende Umplanung für das Maritimo selber. „Dies hat uns zeitlich zurückgeworfen“, erläutert der Bürgermeister. Hinzu kommen Probleme, die jeden Häuslebauer treffen können. Das Planungsbüro musste gewechselt werden, in manchen Gewerken blieben Angebote aus oder erwiesen sich als unwirtschaftlich, der Wettbewerb tendierte mangels Bewerbern teilweise gegen null, Firmen arbeiteten unzuverlässig, und manche Erkenntnisse gewinnt man leider erst während der Ausführung. „Dies soll keine Entschuldigung sein, sondern stellt einfach die Realität dar“, wirbt der Behördenchef um Verständnis. „Ich kann ja verstehen, dass ein Außenstehender den fehlenden Baufortschritt vermisst und die Gründe dafür auch nicht erkennen kann. Aber daraus zu schlussfolgern, es würde nichts getan, ist schlichtweg falsch.“ Wieviel Manpower allein in der Verwaltung mit der Baumaßnahme gebunden wird, ist nur ein Indiz für die Schwierigkeiten, mit denen sich die Fachleute auseinandersetzen müssen. Aber auch die unlängst kritisierten Informationsdefizite gegenüber der Politik müssen im Hinblick auf die 27 Sitzungen des Bäderbeirates zurückgewiesen werden. Hier sitzen entsandte Vertreter aller demokratischen Parteien, die ihr Wissen selbstverständlich an ihre Fraktionen weitergeben. 

Zum Bauzeitenplan für das Maritimo hat sich die Verwaltung nicht „vage“ geäußert, wie von der örtlichen Presse behauptet wurde, sondern sachlich fundiert. Nach der Umplanung wird der Bauzeitenplan aktuell komplett überarbeitet. Die größte Schwierigkeit besteht darin, die einzelnen Bauabschnitte und Bauabläufe so zu organisieren, dass es zu möglichsten geringen Einschränkungen im laufenden Betrieb kommt. Da sich Teil- und/oder Komplettschließungen nicht gänzlich vermeiden lassen, sind damit erhebliche Ertragsverluste und Verlustabdeckungen durch die Stadt verbunden. „Es dürfte also für Jedermann nachvollziehbar sein, dass hier sorgfältige Arbeit gefragt ist und nicht irgendwelche Schnellschüsse, die ein wie auch immer geartetes Informationsbedürfnis befriedigen sollen“ betont Bürgermeister Carsten Wewers. 

Der durch die Umplanung notwendig gewordene Nachtrag zum Bauantrag wird im August auf den Weg gebracht. Parallel dazu wird die Ausführungsplanung für die einzelnen Gewerke erstellt. „Ich gehe davon aus, dass wir Ende August sprachfähig gegenüber dem SV Neptun und der Öffentlichkeit sein werden, was den Baubeginn und die Fertigstellung des Sportbereiches anbelangt“, stellt Carsten Wewers in Aussicht.